Letzte Lockerungen für die Zeit nach Corona

Nun ist er in aller Munde – der Tag oder vielmehr die Zeit nach Corona. Wuhan ist das weltweit beobachtete Experimentierfeld und in vielen Regionen und Staaten sind die Interpretationen dieses Experiments in vollem Gange. Verantwortliche stehen unter Zugzwang Entscheidungen zu treffen. Noch diese Woche erwarten viele Menschen erste Ergebnisse von ihren Politikern.

Die vor Ostern veröffentliche Befragung des Kompetenzzentrums Tourismus deutet zumindest für Deutschland darauf hin, dass die möglichen Szenarien zeitlich und in Bezug auf ihre Auswirkungen sehr weit auseinanderklaffen. Diese Szenarien beruhen auf Meinungen von Experten im Deutschlandtourismus. Ein Experte ist kein entmenschlichtes Wesen, sondern wird immer auch seine persönlichen Ängste und Wünsche in seine Beurteilung projizieren. Der Deutschlandtourismus hat diese Form des Einschnitts im Tourismus noch nie erlebt. Entsprechend sehen sich auch viele Experten zum ersten Mal mit einer Ausnahmesituation konfrontiert, die sich stark auf das persönliche Umfeld auswirkt. 

Regionen in anderen Teilen der Welt kennen solche Extremereignisse bereits. Um aus der Spirale der Aufregung herauszutreten, macht es deshalb Sinn auf vergangene Krisen zu blicken, denn diese spiegeln das reale Reiseverhalten der Reisenden wider. Und vielleicht hilft dieser Schulterblick auch sich auf das Wesentliche zu fokussieren.

Ein Blick zurück in 3 Grafiken.

Ein Unglück kommt selten allein

Auch jetzt werden wir erleben, dass die Gesundheitskrise und eine Wirtschaftskrise sich überlagern werden. Touristiker werden somit zwei Ängsten begegnen. Der Angst vor Krankheit und Tod und finanzielle Existenzängste. Beidem muss nicht nur in den Prognosen, sondern auch in der Kommunikation begegnet werden.

Wie sich die Überlagerung von zwei Krisen auswirkt, können wir anhand des Incoming Tourismus nach Großbritannien, während der Weltwirtschaftskrise und Schweinegrippe im Jahr 2008/2009, ersehen.

Bemerkenswert ist nicht nur die unterschiedliche Ausprägung für die Quellmärkte Deutschland, Spanien und Südkorea, sondern auch der höchst unterschiedliche Einfluss der beiden Krisen. Während die Deutschen damals ihr Reiseverhalten hauptsächlich von der wirtschaftlichen Situation beeinflussen ließen, war es in Spanien das Gesundheitsrisiko.

Fazit: Stimmen Sie die Kommunikation in der Touristik auf jeden Quellmarkt individuell ab, sowohl zeitlich als auch inhaltlich.

Do the right thing

Quellmärkte sind unterschiedlich. Das hat sich schon während der Sars-Krise manifestiert. Dabei konnte festgestellt werden, dass Märkte nationale Eigenheiten besitzen.

So zeigten die Einreisezahlen nach Taiwan, dass Touristen aus USA und Hongkong frühzeitiger als Japan auf die Krise reagierten, aber der Vorkrisenstand bereits nach sechs Monaten wieder erreicht wurde. Japan brauchte dagegen über 12 Monate. Reisende aus unterschiedlichen Quellmärkten haben ein unterschiedliches Sicherheitsbedürfnis und brauchen unterschiedlich lange, um wieder Vertrauen zu fassen. Ein erhöhter Kommunikationsdruck kann hier auch schnell ins Leere laufen!

Fazit: Setzen Sie Ihren Recovery-Etat weise ein! Der Fokus der Kommunikation sollte zunächst auf den Märkten liegen die schnell zurückgewonnen werden können.

The first cut is the deepest

Ja, es stimmt. Die gegenwärtige Krise wird für den Tourismus verheerender sein, als die vorangegangenen Krisen.

Aktuell geht die UNWTO von einem Rückgang von 20% bis 30% der weltweiten Ankünfte aus. Doch sind solche Prognosen immer auch politisch motiviert, um in der Vielstimmigkeit der Hilfeschreie die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. 
Daran ist nichts Verwerfliches, solange es uns nicht kopflos macht. Bleiben wir realistisch und schärfen unseren Blick anhand vergangener Einschätzungen. So hat die UNWTO für das Krisenjahr 2009 für Europa einen Rückgang der Ankünfte von 10% prognostiziert, real waren es später dann unter 5%.

Fazit: Auch wenn Sie sich auf das Schlimmste vorbereiten, sollten Sie dadurch nicht Ihre Handlungsfähigkeit verlieren.

Aus unser über 20-jährigen Erfahrung im Tourismusmarketing für teilweise „schwierige“ Regionen und Ländern haben wir folgendes gelernt:  Individuelle Ängste und Vertrauen bestimmen das Reiseverhalten maßgeblich. Diese sind jedoch beinflussbar, denn Menschen vertrauen Menschen und wir alle in der Tourismusindustrie können direkt und unmittelbar dazu beitragen, Ängste abzubauen und Vertrauen zurückzugewinnen.

Was denken Sie, wie es weiter geht? 
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