Der Tag danach

7 Szenarien wie sich der Tourismus nach Corona verändern könnte

Irgendwann wird er kommen: Der Tag nach der Krise. Und auch wenn Verreisen für viele außerhalb der Tourismusbranche im Moment ein absolut nachrangiges Thema ist, wird es nach der Krise wieder an Bedeutung zunehmen. Die Frage ist nur, unter welchen Paradigmen Reisen dann stattfinden wird. Denn aktuell ändern wir massiv unser Miteinander, unsere Verhaltensweisen und unsere Sicht auf die Welt. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass viele dieser veränderten Verhaltensweisen beibehalten werden. Wie wirkt sich dies auf den Tourismus aus?

Sieben Szenarien die zur Diskussion und zum Widerspruch anregen sollen:

Safety First

Bloß kein Risiko eingehen! Wir haben in der Krise gelernt, Menschenmassen zu meiden. Deshalb fahren wir nur noch mit dem eigenen Auto in den Urlaub und machen um kollektive Beförderungsmittel wie Bus, Bahn und Flugzeug aber auch carsharing einen weiten Bogen. Nur das eigene Auto bietet die nötige Sicherheits- und Komfortzone.

  • Profitieren werden Nahziele und Destinationen mittlerer Entfernung. Die Zunahme des Individualverkehrs wird die Verkehrsinfrastruktur an touristischen Hotspots an seine Grenzen bringen. 

„Europäische Arroganz“ 

Verfolgt man die Berichterstattung mancher asiatischer Länder über das Krisenmanagement der Europäer, stößt man öfter auf den Begriff der „Europäischen Arroganz“. Gemeint ist damit die Sichtweise der Europäer auf Methoden (wie z.B. Tracking-Apps), die in Asien erfolgreich zur Eindämmung der Krise geführt haben, die aber aus europäischer Sicht in freiheitlichen Gesellschaften nicht umsetzbar sind. 

  • Asiatische Destinationen werden sich vermehrt um Touristen aus nahen Quellmärkten bemühen. Begünstigt wird dies durch das frühzeitigere Abflauen der Krise in Asien. Gäste aus europäischen Märkten werden zukünftig als Risikogruppe eingestuft und ausgegrenzt.

Zu Gast bei Fremden

In der Krise haben wir gelernt, dass jeder Fremde ein potentieller Gefährder der Gesundheit ist. Aktuell werden Menschen mit asiatischer Herkunft beim Husten in der Öffentlichkeit besonders misstrauisch beäugt und Autofahrer mit ortsfremden Kennzeichen sollen doch bitte schleunigst dahin gehen wo sie herkommen. 

  • Tourismus wird wieder zum Fremdenverkehr. Außerhalb des Kreises der professionell im Tourismus arbeitenden Menschen geht man zu nicht Ortsansässigen auf Distanz. Der aktuelle Megatrend, im Urlaub in die Lebenswelt anderer Menschen einzutauchen ist out.

Seefahrt tut not

In der Krise hat das Bild der Kreuzfahrt-Branche schwer gelitten. Unvergessen sind die Bilder der Passagiere, die auf ihren Luxuslinern unter einzelhaft-ähnlichen Bedingungen in ihren Kabinen unter Quarantäne gesetzt wurden.

  • Zukünftig werden sich Destinationen sehr genau überlegen ob sie die Versorgung der Kreuzfahrtschiffe in ihren Häfen noch erlauben und Landgänge der Passagiere zulassen. Genaue Gesundheits- und Passkontrollen sollen Risiken minimieren, die aber vor und während der Reise zu langen Wartezeiten führen werden. Die Zeit der unbeschwerten Seereise ist erst einmal vorbei.

Keine freie Fahrt für freie Bürger

Die Abschottung von Regionen und europaweite Einschränkungen im Grenzverkehr beenden die Freizügigkeit des privaten Verkehrs im Schengenraum. 

  • Zukünftig muss wieder mit Staus und Wartezeiten an den Grenzen gerechnet werden, zumal der Individualverkehr nach der Krise zunehmen wird. Der grenzüberschreitende innereuropäische Tourismus wird abnehmen.

Death of a Salesman

Die Krise war ein Turboschub für die Digitalisierung. Viele Branchen mussten innerhalb weniger Tage auf eine virtuelle Organisation umstellen. Und – oh Wunder – es klappte zu großen Teilen. Workshops, Meetings, Präsentationen können auch bequem dezentral durchgeführt werden, die anfallenden An- und Abreisezeiten für eine bessere Vorbereitung und Abstimmung benutzt werden. Homeoffice hat in der Akzeptanz bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen Durchbruch erreicht.

  • Diese Entwicklung ist nicht mehr umkehrbar. Tagungshotels, Messen und Eventlocations stehen schwere Zeiten bevor und müssen mit neuen Angeboten und Mehrwerten Ihr Stammpublikum überzeugen.

… oder, am Ende wir alles gut und wenn nicht, dann ist es noch nicht das Ende…

What a wonderful world

Isolation und Social Distancing haben uns vor Augen geführt, wie wichtig uns zwischenmenschliche Begegnungen sind. Die Krise hat uns aber auch gezeigt wie wichtig Solidarität, Kreativität und Kooperation sind. Ein starker Staat hat mit massiven Unterstützungen die schlimmsten Folgen der Krise abgewendet. 

  • Freizügigkeit und Urlaubsreisen werden jetzt als ein Privileg wahrgenommen mit dem bewusster umgegangen wird. Nach Monaten der Unsicherheit und Entbehrung will man sich wieder etwas gönnen. Raus aus den eigenen vier Wänden. Abwechslung ist jetzt angesagt. Lebensträume werden nicht mehr auf die lange Bank geschoben, sondern jetzt realisiert. Die Tourismusbranche profitiert von all diesen Bedürfnissen und ist vitaler als je zuvor.

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